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„Wer fährt, trinkt nicht“ – und beim E-Bike?

Das Land rollt – ob auf Fahrrädern oder E-Bikes, das Geschäft mit den Zweirädern boomt. Im letzten Jahr hat sich dies hierzulande allein bei den E-Bikes in über 170‘000 Verkäufen niedergeschlagen. Dank dem E-Bike entdecken zwar wieder mehr Menschen die Freude am Velofahren, gleichzeitig häufen sich die Unfälle mit alkoholisierten E-Bikerinnen und E-Bikern.

Dabei ist die Regel klar: Fahren in angetrunkenem Zustand ist verboten. Das gilt nicht nur für das Autofahren, sondern genauso für das Fahrradfahren und E-Biken. Wer auf einer Fahrrad- oder E-Bike-Tour über den Durst trinkt und die Schwelle von 0.5 Promille Alkohol im Blut überschreitet, wird mit einer Busse bestraft. Was gilt, wenn der Schwellenwert von 0.8 Promille überschritten wird, hängt vom Untersatz ab: Bei Velos und langsamen E-Bikes mit einer Tretunterstützung bis 25 km/h ist weiter nur mit einer Busse zu rechnen. Bei schnellen E-Bikes mit einer Tretunterstützung bis 45 km/h gelten dagegen dieselben Konsequenzen wie beim Autofahren. Statt mit einer Busse ist mit einer zusätzlichen Geldstrafe oder im renitenten Wiederholungsfall mit einer Freiheitsstrafe zu rechnen. Darüber hinaus kann der Führerausweis, den schnelle E-Bikes erfordern, entzogen werden. Weiter ist auch möglich, dass die Haftpflichtversicherung ihre Leistungen kürzt, weil grobfahrlässig gehandelt wurde.

So eindeutig war die Rechtslage zu den E-Bikes und den beiden Leistungsklassen lange Zeit nicht. Die Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge grenzt seit 2017 die langsamen E-Bikes mit einer Tretunterstützung von 25 km/h als „Leicht-Motorfahrräder“ von den schnellen E-Bikes als „Motorfahrräder“ mit einer Tretunterstützung von 45 km/h ab. Etwas mehr als zwei Jahre später hat das Bundesgericht zudem entschieden, dass Motorfahrräder, das heisst die schnellen E-Bikes, genauso wie Autos, zu den Motorfahrzeugen gehören. Dies erklärt die eben dargelegten strengeren strafrechtlichen Folgen.

Der Grundsatz „Wer fährt, trinkt nicht“ gilt nicht nur für alle, die sich hinter das Lenkrad setzen, sondern genauso für alle an der Lenkstange. Mann und Frau tut also gut daran, vor einer rauschigen Geburtstagsparty die Art des Vehikels und die Getränkewahl zu bedenken. Die sicherste Variante für alle, die sich nicht auf „Kinderwein“ beschränken wollen, ist immer noch der Fussmarsch oder der öffentliche Verkehr. Wer das Zweirad wählt, riskiert bei einer alkoholisierten Fahrt mit einem schnellen E-Bike eine höhere Strafe als mit einem Fahrrad oder „Leicht-Motorrad“.

 Publiziert in der Linth Zeitung und im Sarganserländer