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Kryptowährungen – ein schweres Erbe?

Bitcoin, Ethereum, Cardano, Ripple – so ungewöhnlich die Namen noch immer klingen mögen, so schnell haben diese und etliche andere Kryptowährungen Einzug in unseren Alltag gehalten. So vernimmt man bisweilen von mehrfachen Krypto-Millionären, von Bitcoin-Starter-Kits, von Kryptofonds in der Säule 3a, von Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel in El Salvador und natürlich auch vom immerwährenden Risiko eines Totalverlustes. Doch was sind Kryptowährungen eigentlich?

Kryptowährungen sind digitale Währungen. Im Gegensatz zu Geld sind Kryptowährungen nicht physisch im Umlauf und können auch nicht auf einem Bankkonto angespart werden. Kryptowährungen liegen verschlüsselt auf der sog. Blockchain, die sich auf tausenden von Servern auf der ganzen Welt widerspiegelt. Aufgrund der Verschlüsselung von Kryptowährungen ist ein Schlüssel notwendig, um an die Kryptowährungen zu gelangen und diese zu verwalten. Diesen Schlüssel können Sie sich wie das Passwort zu Ihrem E-Banking vorstellen.

Die stetige Verbreitung der Kryptowährungen wirkt sich auch auf das Erbrecht aus: Mittlerweile kann sich ein Nachlass nicht mehr nur aus Bankguthaben, Wertschriften oder Liegenschaften zusammensetzen, sondern auch aus Kryptowährungen. Da das Steuerrecht Kryptowährungen als bewegliche Sache einordnet, unterliegen diese nicht nur der Einkommens-, Vermögens- und Schenkungssteuer, sondern auch der Erbschaftssteuer. Im Zivilrecht ist dagegen umstritten, ob Kryptowährungen überhaupt eine Sache darstellen können, aus der Rechte und Pflichten wie Eigentum abgeleitet werden können. Würde man das Recht auf Eigentum an Kryptowährungen verneinen, wäre es – vereinfacht gesagt – folgerichtig auch nicht möglich, Kryptowährungen zu vererben. Diese würden dann schlichtweg demjenigen gehören, der zufälligerweise die Schlüssel entdeckt hat. Eine zeitgemässe Auslegung des zivilrechtlichen Begriffs der Sache sollte das Vererben deshalb bereits jetzt erlauben, insbesondere, um die Widersprüchlichkeit zum Steuerrecht aus dem Weg zu räumen.

Ungeachtet der noch strittigen zivilrechtlichen Auslegung, ob Kryptowährungen nun als Eigentum vererbt werden können, ist und bleibt auch in Zukunft fundamental, dass der spätere Erblasser zu Lebzeiten dafür sorgt, dass die Erben überhaupt auf seine Kryptowährungen zugreifen können. Er muss besorgt sein, dass diese nach seinem Tod einerseits vom Vorhandensein der Kryptowährungen erfahren und andererseits wo die Schlüssel zu den Kryptowährungen auffindbar sind. Hierzu kann ein sicher aufbewahrter Krypto-Nachlassplan dienen. Nur so lässt sich die Ernüchterung abwenden, die 2018 den Erben des US-Amerikaners Matthew Mellon widerfahren ist, als nach seinem Tod die Schlüssel zu seinen Kryptowährungen in der Höhe von zwei Milliarden USD verschollen blieben – bis heute.

Publiziert im Sarganserländer und in der Linth Zeitung