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Drängler aufgepasst – es lohnt sich nicht

Wer kennt es nicht? Im Strassenverkehr wird gedrängelt. Wer mit dem Auto unterwegs ist, vor allem auf der Autobahn, hat damit bestimmt schon seine Erfahrungen gemacht. Was aber droht einem Drängler? Und wo fängt Drängeln an?

Gemäss Art. 12 Abs. 1 VRV muss der Fahrer beim Hintereinanderfahren einen ausreichenden Abstand wahren, sodass er bei überraschendem Bremsen des voranfahrenden Fahrzeuges rechtzeitig halten kann. „Ausreichend“ ist gesetzlich zwar nicht weiter erklärt, die Faustregel, mindestens den halben Tachowert (bei 120km/h also 60 Meter) einzuhalten, oder die Zwei-Sekunden-Regel sollen aber Abhilfe schaffen.

Aber Achtung: Bei Verkehrsregel-Verletzungen droht oft eine doppelte «Strafe»: Der Busse oder Freiheitsstrafe folgt gleich noch die erzieherische «Administrativmassnahme», die Ermahnung (selten) oder der Ausweisentzug (die Regel).

Das Strafrecht unterscheidet jeweils einfache Verkehrsregelverletzungen, die mit einer Busse (Art. 90 Abs. 1 SVG) und grobe Verkehrsregelverletzungen, die mit einer Geldstrafe resp. einer Freiheitsstrafe bestraft werden (Art. 90 Abs. 2 SVG). Vom Bundesgericht wurden bisher keine Regeln aufgestellt, ab welchem Abstand eine einfache oder eine grobe Verkehrsverletzung anzunehmen ist. Grundsätzlich hat sich aber eine Tendenz ergeben, dass bei normalen Verkehrsbedingungen bei einem Abstand zwischen 0.6 Sekunden und 1.8 Sekunden eine einfache und bei unter 0.6 Sekunden eine grobe Verkehrsverletzung angenommen wird.

Hinsichtlich der Administrativmassnahmen wird zwischen leichten, mittelschweren und schweren Widerhandlungen unterschieden (Art. 16 ff. SVG). Bei einem Abstand zwischen 1.2 Sekunden und 1.8 Sekunden liegt eine einfache Widerhandlung, bei Abständen zwischen 0.6 Sekunden und 1.2 Sekunden eine mittelschwere und bei weniger als 0.6 Sekunden eine schwere Widerhandlung vor. Eine einfache Widerhandlung führt zu einer Verwarnung (Art. 16a SVG). Mit einer mittelschweren Widerhandlung wird der Führerausweis für mindestens einen Monat (Art. 16b SVG) und nach einer schweren Widerhandlung für mindestens drei Monate (Art. 16c SVG) entzogen. Für Wiederholungstäter sieht das Gesetz eine höhere Mindestentzugsdauer vor.

Im Jahr 2021 gab es schweizweit übrigens 3‘592 Fahrausweisentzüge aufgrund von zu geringem Abstand. Daher empfiehlt es sich, genügend Zeit einzuplanen, sich an den Rat des Fahrlehrers zu erinnern und vorausschauend zu fahren und einfach tief durchzuatmen, sowohl wenn der Drängler am Heck klebt, als auch wenn der Drängler in Ihnen zum Vorschein kommt.

 

Von MLaw Marcel Kaufmann, publiziert im Sarganserländer und in der Linth Zeitung